Fluglärm

Nebst  Auto- und Eisenbahnlärm belasten die seit 2002 eingeführten Südanflüge in sensiblen Randstunden Schwamendingen. Die Nachtruhe wird laufend verletzt, was bis heute von keiner Behörde sanktioniert wurde.

Mit dem im  Herbst 2012 publizierten Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz ist zu befürchten, dass der Flughafen Zürich und der Bundesrat zusätzlich zu den Südanflügen neu Südstarts geradeaus einführen wollen. Die IG pro zürich 12 wehrt sich zusammen mit der Stadt Zürich gegen diese Absichten, die für die Lebensqualität im Quartier verheerende Folgen hätten. Details zu unserem Engagement finden Sie in den unten stehenden Dokumenten.

Flughafen-Nachtruhe-Initiative

Die sogenannte «Flughafen-Nachtruhe-Initiative» ist eine kantonale Volksinitiative im Kanton Zürich, eingereicht im April 2024. Sie betrifft die Flughafen Zürich AG bzw. den Flughafen Zürich und fordert strengere Regeln für Nachtflüge. Konkret verlangt die Initiative eine strikte Nachtruhe von 23:00 bis 06:00 Uhr. In dieser Zeit sollen grundsätzlich keine Starts und Landungen mehr erlaubt sein; insbesondere soll der heutige «Verspätungsabbau» zwischen 23:00 und 23:30 eingeschränkt oder verhindert werden. Die IG pro zürich 12 ist Teil dieser Initiative und hat Einsitz im Initiativkomitee.

Heute gilt bereits eine Nachtflugordnung. Diese beinhaltet einen regulären Betrieb nämlich, Tag von 06:00 – 22:00 Uhr und Nacht bis 23:00 Uhr. Verspätete Flüge dürfen heute oft noch bis 23:30 abgewickelt werden, danach braucht es Ausnahmebewilligungen. Die Flughafen Zürich AG rechnet die halbe Stunde Verspätungsabbau rücksichtslos und eigennützig einfach zu ihrer Betriebszeit. 

Warum gibt es die Initiative?

Anwohner rund um den Flughafen klagen seit Jahren, ja Jahrzehnten über Fluglärm spät abends. Die Initianten sagen: Die gesetzlich versprochene Nachtruhe werde faktisch nicht eingehalten, verspätete Flüge nach 23:00 Uhr seien zu häufig geworden, Gesundheit und Schlafschutz müssten stärker gewichtet werden.

Was sagen die Gegner?

Der Zürcher Regierungsrat, die Flughafenbetreiberin und wirtschaftsnahe Parteien lehnen die Initiative ab. Ihre Hauptargumente sind die Regelung der Flugzeiten sei eigentlich Sache des Bundes, nicht des Kantons, die Initiative könnte deshalb rechtlich problematisch oder gar bundesrechtswidrig sein und strengere Sperrzeiten könnten die internationale Anbindung und den Wirtschaftsstandort Zürich schwächen.

Was passiert politisch?

Der Zürcher Kantonsrat tendiert bisher dazu, die Initiative abzulehnen, diskutiert aber einen Gegenvorschlag. Dieser würde den Verspätungsabbau weiterhin erlauben aber stärkere Massnahmen gegen häufige Nachtverspätungen einführen, etwa höhere Gebühren oder mehr Transparenz bei den Gründen für verspätete Flüge. Somit geht es bei der Initiative um den Konflikt zwischen:

Lärmschutz und Lebensqualität vs. Wirtschaft, internationaler Anbindung und Flugverkehr.

"Südstart geradeaus"

Mit „Südstarts geradeaus“ ist ein spezielles Betriebsverfahren am Flughafen Zürich gemeint. Dabei starten Flugzeuge auf der Piste 16 Richtung Süden und fliegen nicht sofort nach Westen oder Osten ab, sondern zunächst geradeaus über dicht besiedeltes Gebiet südlich des Flughafens, vor allem Opfikon und Schwamendingen. Das Thema ist in Zürich politisch und rechtlich sehr umstritten.

Warum gibt es Südstarts geradeaus?

Der Hintergrund liegt vor allem in den deutschen Beschränkungen. Deutschland begrenzt seit Jahren Anflüge über süddeutsches Gebiet zu bestimmten Zeiten. Deshalb muss Zürich seine Flugrouten flexibel organisieren. Bei bestimmten Wetterlagen oder Verkehrssituationen gelten Südstarts als effizienter oder sicherer. Die Flughafenbetreiberin und die Flugsicherung argumentieren, das Verfahren erhöhe die Kapazität und Stabilität des Betriebs, reduziere Verspätungen, und könne Sicherheitsvorteile bringen.

Warum gibt es Widerstand?

Gegner — besonders Gemeinden am Zürichsee und im Süden des Flughafens — kritisieren mehr Fluglärm über dicht besiedelten Wohngebieten, zusätzliche Belastung früh morgens oder spät abends, Sicherheitsrisiken bei tief fliegenden Grossflugzeugen über urbanem Gebiet. Daraus entstanden verschiedene Volksinitiativen und politische Vorstösse, etwa Forderungen nach einem Verbot von Südstarts geradeaus, strengeren Nachtflugregeln, oder einer anderen Verteilung der Flugrouten.

Zusammenhang mit der Nachtruhe-Initiative

Die Diskussion überschneidet sich oft mit der Flughafen-Nachtruhe-Initiative. Beide Themen drehen sich um Fluglärm und Belastung der Bevölkerung. Allerdings geht es bei der Nachtruhe-Initiative primär um Flüge nach 23:00 Uhr und bei Südstarts geradeaus um die Flugrouten und Betriebsverfahren allgemein.

Aktueller Stand

„Südstarts geradeaus“ wurden in verschiedenen Varianten getestet, bewilligt und juristisch angefochten, auch von der IG pro zürich 12. Der Bund (BAZL), die Skyguide und der Flughafen verfolgen dabei unterschiedliche Betriebsvarianten, während Gemeinden und Bürgerkomitees regelmässig Beschwerden einreichen.  Die Debatte bleibt politisch sehr emotional, weil sie die Grundfrage berührt:

Wer trägt die Lärmbelastung des internationalen Flughafens – und wie viel Flugverkehr soll Zürich überhaupt zulassen?

BR 2014, BR 2017 und neu BR 2026

Die Betriebsreglemente 2014, 2017 und das heute diskutierte «BR2014/2017» (oft vereinfacht als „2026-Vorlage“ bezeichnet) betreffen die Weiterentwicklung des Betriebs am Flughafen Zürich. Sie bauen aufeinander auf und drehen sich im Kern um drei Ziele: mehr Sicherheit, stabilerer Betrieb, weniger Verspätungen und Nachtlärm. Das Betriebsreglement ist das zentrale Regelwerk eines Flughafens. Es bestimmt welche Pisten wann benutzt werden, welche Flugrouten geflogen werden, wie Starts und Landungen organisiert sind und wie der Nachtbetrieb geregelt wird.

Betriebsreglement 2014 (BR2014)

Das BR2014 entstand als Reaktion auf Sicherheitsanalysen von 2012, auf Kapazitätsprobleme, auf Konflikte zwischen Flugrouten und die deutschen Einschränkungen bei Anflügen über Süddeutschland. Zentrale Inhalte sind die Anpassungen der Abflugrouten, die Entflechtung von sich kreuzenden Flugwegen, die Änderungen beim Ostkonzept und die Vorbereitung neuer Verfahren bei Bisenlage (Ostwind). Besonders umstritten ist die zusätzliche Belastung im Süden und Osten, mehr Südstarts geradeaus und die flexiblere Nutzung einzelner Pisten. Viele Gemeinden erhoben Einsprache. Dadurch wurde das Verfahren jahrelang blockiert.

Betriebsreglement 2017 (BR2017)

2017 kamen weitere Anpassungen dazu. Wichtige Elemente wurden hinzugefügt. So waren die ein neues Biesenkonzept, Südstarts geradeaus bei starkem Ostwind, erweiterte Linkskurve bei Starts ab Piste 16, Anpassungen der Westabflüge und weitere Entflechtung des Ostkonzeps. Die Flughafenbetreiberin begründete dies mit weniger Konfliktpunkte im Luftraum, höheren Sicherheitsmargen, stabilerem Betrieb und weniger Verspätungsketten. Wir sehen dagegen mehr Fluglärm im  Süden, stärkere Belastung dicht besiedelter Gebiete und eine schleichende Kapazitätserhöhung.

Die „2026-Vorlage“ / BR2014-2017

2026 wurden die beiden alten Verfahren offiziell zusammengeführt. BR2014 + BR2017 = gemeinsames Genehmigungsverfahren „BR2014/2017“. Das BAZL legte die Unterlagen Anfang 2026 erneut öffentlich auf. Die wichtigsten vorgesehenen Massnahmen sind:

  • Ostkonzept Entflechtung der Flugwege
  • Bisenkonzept Südstarts geradeaus bei Ostwind
  • Piste 16 grössere Linkskurve Richtung Westen
  • Piste 28 angepasste Westabflüge
  • Betriebsstabilität weniger Verspätungen
  • Nachtbetrieb indirekt weniger Nachtflüge
  • Sicherheit Beseitigung kritischer Kreuzungspunkte

Warum ist das so politisch explosiv?

Der Flughafen Zürich ist operationell extrem komplex wegen den deutschen Überflugbeschränkungen, den kreuzenden Pisten, der dicht besiedelten Umgebung, der wechselnden Wetterlagen und den begrenzten Ausbauflächen. Dadurch entsteht ein ständiger Zielkonflikt zwischen Sicherheit, Kapazität, Pünktlichkeit, Wirtschaft und Lärmschutz.

Je nachdem, welche Route optimiert wird, fühlen sich andere Regionen stärker belastet. Im Süden durch die Südstarts, im Osten durch die Ostanflüge, im Norden durch den Deutschlandkonflikt und im Westen durch die Weststarts. Darum laufen seit über zehn Jahren Beschwerden, Einsprachen, Gerichtsverfahren und Volksinitiativen.

www.nachtruhe-initiative.ch

pro zürich 12 Positionen zum Staatsvertrag D - CH pro zürich 12 Fluglärm Positionspapier